Es war noch so schumrig, als ich auf dem Fahrradrücksitz meines Vaters so langsam zu mir kam. 

Es war neblig und kalt.

Wenigstens hatte ich unter meinem Po ein kleines Kissen, um nicht pur auf dem Metall zu sitzen.

Ich hatte zwar einen Mantel an aber ich kam aus der Bettwärme und frohr erbärmlich.

Mein Körper zitterte vor Kälte und meine Zähnchen klapperten aufeinander.

Jeder Atemzug kam wie eine Rauchwolke aus meinem Mund.

Ein paar Mal spitzte ich den Mund und entlies meinen Atem stoßweise, so das die Atemwolke über meine 

Lippen huschte und merkwürdige Gebilde erschienen.

Mein Vater ging, leicht humpelnd, neben dem Fahrrad und schob es. Er pfiff eine Mellodie.

Scheinbar war er fröhlich. Er sprach, wie fast immer, nicht mit mir

.Ich wusste aus Gesprächen meiner Eltern, dass er kein Mädchen wollte.

Für mich war das nicht besonders wichtig, was er von mir dachte. Ich hatte keinen besonderen Bezug zu ihm.

Ich konnte mich also ruhig der Umgebung zuwenden.

Es ging mitten durch Hamburg. Durch viele Geschäftsstraßen mit den schönen Auslagen und

stillen Alleen mit Bäumen bis in den Himmel.

Es waren nur wenige Menschen unterwegs.

Sie waren alle so gedrückt, so gefangen in ihren schwehren Gedanken oder noch halb im Schlaf.

Ihre Farben waren meist nicht sehr schön, so wie manchmal bei meinen Eltern.

Eine Siedlung mit vielen kleinen Häusern war unser Ziel.

Eine Laubenkolonie.

So viele Kreuzungen, Hecken und Gartenzäune verwirrten mich. 

Die Vorgärten sahen manchmal wie kleine verwunschene Orte aus.

Als wir endlich an einem Gartenzaun Halt machten zog mein Vater mich vom Rad.

Da stand ich nun.

In den Beinen etwas steif, starrte ich diese Gartenpforte an.

Die vom Wetter abblätternde grüne Farbe auf dem Holz. Die merkwürdigen schwarzen Zeichen auf den

Lattenspitzen.

Die Pforte selbst hing einwenig durch.

Der leichte Nebel um uns tat sein Übriges um mir eine Gänsehaut zu verschaffen.

Mir war unheimlich zumute und doch......machte mich das auch neugierig.

Ich sah meinen Vater an um zu erkunden , was wir denn hier sollten.

Ich griff an die Pfortenbretter und lugte durch einen Spalt.

Weit im Hintergrund sah ich ein Eine alte Frau mit schneeweißen welligen Haaren.

Selbstsicher kam sie auf uns zu und ging den Steinweg in der Mitte des Gartens entlang.

"Hallo Alex, da seid ihr ja. Kommt doch rein." 

Sie lächelte und reichte mir die Hand. 

Ihre Hand war warm und weich und doch kraftvoll.

Und das Gefühl das ich dabei empfand war pure Freude- und noch etwas.

Als wüsste sie etwas.

Auf ihrem Handrücken hatte sie die gleichen Zeichen "gemalt" wie an der Pforte.

Ihr Lächeln galt meinem Vater aber irgendetwas war daran merkwürdig.

Er reagierte eher noch distanzierter, unwirsch.

Ging sogar einen halben Schritt zurück.

"Nein Danke, ich muss gleich wieder los." Er machte eine abwehrende Handbewegung und schob mich

ein Stück nach vorn und brummte:" Hier bleibst du bis ich dich abhole. Sei brav und tu was deine Oma sagt."

Aha- DAS war also meine Oma.

Er ging ohne Abschied. Granma sah ihm lächelnd nach und dann mich an.

Ich sah in ihre Augen, die waren graublau und soo faszinierend. Voller Humor, Kraft und Neugier aber auch

eine starke Bestimmtheit ging von ihr aus.

Hier war nichts so wie Zuhause.

Ich hatte kein Bedauern oder Heimweh in mir, dies hier war interessanter, versprach Abenteuer.

"Na dann komm mal mit. Wir werden erstmal richtig frühstücken."

Mit meinem Koffer in der einen Hand und meiner Hand in ihrer Anderen gingen wir den

Steinweg zurück Richtung Haus.

Vor der Haustür blieb sie stehen.

Sie lies mich und den Koffer los und murmelte etwas.

Dann griff sie eine meiner Hände und drückte sie auf eines der Zeichen

dass recht groß in die Eingangstür geschnitzt war.

Das fand ich etwas erschreckend denn es kam keine Erklährung dazu.

Ich wollte gerade möglichst schnell hinein gehen als Granma mich am Mantelärmel zupacken

bekam und zu sich zog.

Mit ernster Miene meinte sie:" Meine Liebe, erst einmal ziehen wir immer hier die Sachen aus,

die wir nur für Draußen brauchen. Gehe niemals mit

dem Mantel und den Stiefeln in die Stube." 

Ihr Blick war sehr klahr und ich wusste, mit der war nicht gut Kirsche essen.

Zuhause trödelte ich immer gern.

Ich schmiss meinen Mantel in die Ecke und meine Stiefel gleich hinterher und wollte mich gerade hinsetzen

als ich sah, wie sie beides nahm, die Haustür öffnete und beides rausschmiss. Mitten vor die Haustür.

Erschrocken, weil ich merkte, das ich scheinbar was falsch gemacht hatte fragte ich: Warum machst du das?"

"Du scheinst die Sachen nicht mehr zu brauchen sonst wüdest du sie ja nicht in die Ecke pfeffern.

Wenn dir etwas an den Dingen liegt, hol sie dir jetzt wieder, sonst sind sie in einer Stunde auf den Kompost".

Ich wollte beides natürlich behalten und holte sie mir zurück. Und war gleich mal richtig sauer.

"Wie findest du deine Stiefel?" fragte sie mich.

"Gut" antwortete ich so kurz wie möglich.

"Was glaubst du, ist die Aufgabe deiner Stiefel?" Ich sah sie an und dachte- na das weiß doch jeder.

"Sie sollen mich wärmen."

Oma nickte und meinte: "Was noch?"

"Ich weiß nicht." Ich wollte nun lieber nichts falsches sagen.

"Sie tragen dich von Ort zu Ort. Aus welchem Material sind deine Stiefel?"

Ich sah meine Stiefel das erste Mal richtig an. Sie waren aus braunem Rindsleder.

"Ich habe keine Ahnung."

"Sie sind aus der Haut eines großen Tieres. Dieses Tier ist für dich und andere gestorben um mit

ihrer Haut deine Füße vor der Kälte zu schützen und du pfefferst sie einfach in eine Ecke.

Ich wünsche dass du diesem Tier mehr Respeckt entgegen bringst. Ich zeige dir,

wie du das in Zukunft machst."

So hatte ich meine Schuhe noch nie gesehen. Ich sah sie mit ganz anderen Augen an und...

das Tier tat mit Leid.

"Können wir das Tier denn nicht Begraben?" Dabei überlegte ich schon,

was ich denn statt dessen tragen sollte.

Mir war zum Heulen zumute.

Sie lächelte: "Also, so einfach ist das nicht. Dieses Tier folgt seiner Bestimmung.

Es lebt dafür, uns zu ernähren mit Milch und Fleisch und mit der Haut zu Schutz.

Dafür bekommt es unseren Respeckt und die Fürsorge des Bauern. Also gib mir deinen rechten Schuh."

Ich gab ihn ihr und sie griff hinein. In der anderen Hand hatte sie eine grobe Bürste

und rubbelte damit das Leder über einen Metalleimer.

"Du MUST nichts dazu sagen aber denken solltest du: Rechter Schuh ich danke dir,

bist Verstand und Handlung mir. Linker schuh ich danke dir bist Gefühl und Liebe mir. So,

nun sehen sie richtig gut aus, sind vom Schmutz befreit und trocknen schneller."

Bildete ich mir das ein oder war da was mit meinen Schuhen?

Das war mein erster "Spruch" den ich lernte und ich hatte von da auf an immer warme Stiefel, und sie hielten laaaange.

 

 

 

Brot

Noch am gleichen Tag haben wir Brot gebacken.

Heute mein Lieblingsbrot denn auch dazu hatte sie einen Spruch.

Wir gingen in den Garten, den ich damals als riesengroß empfand.

So typisch deutscher Schrebergarten würde ich heute behaupten.

Sie zeigte mir, wo sie ihre Kräuter stehen hatte und erntete:

Bärlauch, Petersilie, Oregano und Majoran.

In einer großen emailierten Schüssel kippte sie

Mehl, Salz, Zucker , einen gestrichenen Teelöffel Muskatnus, warmes Wasser und Hefe.

Beim Kneten sagte sie die ganze Zeit vor sich hin:

Fürs Herz, gegen den Schmerz, mit Liebe, gegen die Diebe.

Das war wie eine Art Mantra.

Heute mache ich das solange, bis der Teig eine gewisse Zähigkeit erreicht hat.

Ich hab sie irgendwann einmal gefragt, was es mit den Dieben auf sich hat und

sie erzählte mir, dass es noch garnicht so lange her war dass es Menschen

gab, die ihr ihr Ahnenwissen nehmen wollten.

Ich vermute mal, das hatte mit dem Dritten Reich und den Repressalien zutun

die Menschen ausgesetzt waren die nicht der Norm entsprachen.

Aus dem Teig machte sie einen riesen Zopf und ab gings in den Ofen.

Frische Brötchen oder Brot ziehen bei mir seit dem eine Visionsschleife nach sich.

Ich sehe sie dann am Tisch kneten und "beten" und dieser Spruch klingt in mir nach.

 

 

Der Tisch

Als ich dann endlich das erste Mal saß, hatte ich Zeit mich umzusehen.

Granma kochte den Kakao, (mit einer Priese Zimt) an einem

Beistellherd.

Ein Kohle oder Holzofen mit 3 Kochstellen. Man konnte die Töpfe entweder 

so auf den Herd stellen oder die Metallringe rausnehmen

und die Töpfe mit dem Feuer direkt in Kontakt bringen.

Auf der rechten Seite war ein Wasserkasten und darunter eine Art

Backofen, in dem sie im Winter Äpfel briet.

Als sie einen der Ringe rausnahm um den Milchtopf darauf zu stellen,

stieg eine Flamme hoch und sie machte eine kurze Handbewegung.

Später erzählte sie mir, dass sie den Feuerwesen Nahrung gibt bei

jedem Essen kochen indem sie ein wenig Muskat, Pfeffer oder

Zimmt ins Feuer streut.

So ist sie sicher, dass der Herd nicht kalt wird oder die Feuerwesen überspringen.

Diese Art des Wärmens und Kochens ist eine besondere Wärme, nicht so

künstlich wie die Zentralheizungen heute.

(die Handbewegung war die Ingwaz, zum Binden)

Der Tisch an dem ich saß war fast schwarz. Auf der Oberfläche war am

Rand entlang jede Rune eingeritzt. 

Ein paar Centimeter mehr Innen hatte er Nägel, so alte Nietnägel die

wie ein Zierrand um den Tisch angebracht waren.

Ich saß direckt vor der Rune Uruz und hatte das erste Mal doch etwas Angst.

Ganz vorsichtig fuhr ich mit dem Zeigefinger über die Vertiefungen und spührte, wie

lebendig das war.... und zog den Finger schnell wieder zurück.

Doch nicht lange, ich war einfach zu neugierig.

Wieder und wieder fuhr ich mit dem Finger darüber und hatte ein freudiges

Kribbeln im Bauch. (Uruz ist seitdem meine Lieblings Rune).

Ganz still beobachtete mich meine Großmutter und als ich aufsah lächelte

sie als wüsste sie genau, was ich gerade fühlte.

 

Runen

Ich saß nun immer da, wo die Uruz war und fummelte mit meinen kleinen

Fingern ständig an ihr rum.

Irgendwann hab ich sie dann wohl doch gefragt, was das ist.

Und sie sagte nur einen Satz:" Das sind die Zeichen der alten Zeit." Drehte sich um

und ich hatte das Gefühl, mehr wollte sie erstmal nicht sagen. Also schwieg ich auch.

Ein paar Tage später zeigte sie auf Uruz und fragte:" Was spührst du wenn du darauf

fasst? Ich sehe ja wie du sie immer anfast, also muss es sich ja gut anfühlen oder?"

Ich nickte: "Sie ist so schön kribbelig. So will ich mich immer fühlen."

Sie nickte und dann war für Tage erstmal wieder Stillschweigen darüber.

Dann zeigte sie auf Raidho und sagte:"Fass die mal an und sag mir was du spührst."

Ich fasste sie an und auch hier war es kribbelig, nur... irgendwie anders, so als

würde sie mich gern in sich einsaugen und schnell nahm ich den Finger wieder weg.

Ich wollte nicht von ihr weggezogen werden.

"Wohin zieht sie mich?"

"Ich weis nicht, das ist bei jedem verschieden. Mich zieht sie zu den Götterpfaden.

Wir könnten es die nächsten Tage ja vielleicht doch mal ausprobieren. Traust du dich?"

Ich nickte denn bisher musste ich mir nie Sorgen machen bei meiner Großmutter,

sie passte gut auf mich auf. Ich vertraute ihr, so wie sie mir.

Wir haben dann mit Raidho "zusammen" eine Reise gemacht.

Sie hat eine Kerze angezündet, mit einem Kraut (ich glaub es war Salbei) geräuchert,

Mit Salz gestreut und dann gings los und was gemurmelt.

(ich weiß bis heute nicht mehr, was sie sagte. Ich hab meinen eigenen Weg gefunden) -

Ich stand vor einem sehr großen Fachwerkhaus und neben mir ein braunes Pferd.

Es war vom Körperbau her etwas stabiler als ein Rennpferd. (Ich war ca. 17-18 J.männlich.)

Auf der linken Seite, im Hintergrund, sah ich viele unterschiedliche Felder mit unterschiedlichsten

Anbauten. Von Weizen bis Kartoffel war alles dabei.

Dahinter, nur noch als Peripherie sichtbar, weiße Berge die sich vom blauen Himmel sehr wenig abhoben.

Auf der rechten Seite, eine Koppel deren Ende nicht zu sehen war. Auf der Koppel hohes Gras,

einige Pferde und verstreut immer mal einige Apfelbäume.

Sehr weit im Hintergrund einen Vulkan der leicht vor sich hinqualmte. Ich ritt los und sah mich in der Region

um..........

(So lernte ich die Runen durch Trancereisen.)

 

Granma stirbt

Ich bin fast 13 und mein Vater steht vor der Tür meiner Großmutter.

Ich habe mich sehr erschreckt denn ich wusste ganz genau, wenn er kommt dann will

er mich mitnehmen.

Ich kann euch nicht sagen, was ich empfunden habe als mein Vater direkt vor der Haustür stand.

Am liebsten hätte ich mit den Händen "was" gemacht. Doch Granni rief ihn rein.

"Ist es soweit?"

Er nickte und brummelte : "Hast du alles gepackt? Ich will mich hier garnicht erst lange niederlassen.

Gib mir den Koffer und los!"  Ich war wie betäubt. Sie hatte mir nichts gesagt.

Einmal noch drehte ich mich zu Granni um, sah ihr in die Augen und ging dann hinter ihm her.

In der Zwischenzeit hatte er sich ein kleines Auto angeschaft und schon fuhren wir in Richtung Mutter

und Brüder.

Dort angekommen wurden mir erstmal alle Brüder vorgestellt. Es waren inzwischen 3 geworden.

Mutter kam mir entgegen und strekte die Hand aus.

Aber nicht um mich zu begrüßen sondern sie wollte etwas von mir haben.  Ich rührte mich kein bischen.

Da kam sie ganz nahe. Griff überall hin und fand meine Karten und meine Runen.

Sie landeten im Feuer des Bollerofens der in einer Ecke der Stube stand.

Am nächsten Tag gingen Mutter und Vater arbeiten und ich blieb mit den 3 Jungen allein zurück.

2 Jahre später fuhr meine Mutter mit mir in ein Krankenhaus. Ich weiß nicht mehr ob sie mir erzählt

hatte weshalb. Als wir in ein Krankenzimmer eintraten sah ich sie, Granni war nur noch ein Schatten ihrer

Selbst. Als sie mich sah, lächelte sie.

Mutter sprach ein paar Sätze mit ihr, dann lies sie mich mit ihr allein.

Ich weiß nur noch, ich sang für sie leise das Lied Odins, dass sie immer so gern aufsagte.

Sie schloss die Augen und genoss es. Das war das letzte Mal dass ich sie gesehen habe.

Ich gestehe, ein kleiner Anteil in mir hasst diese zwei Menschen die mich gezeugt und geboren haben,

immernoch. Es ist einfach zu vieles geschehen dass einem Kind nicht passieren dürfte.

Verzeihen? Ja- vergessen- eindeutig NEIN!

 

Ich fange ganz neu an

Ich bin 27., geschieden mit 4 Kindern und so voller Hass dass ich manchmal zwischen Freund und Feind

nicht mehr unterscheiden kann. Ich sitze bei einer (vermeindlichen) Freundin und sie holt aus einer

Schublade

Tarotkarten hervor.  Ich bin erst nicht sehr begeistert davon denn das bricht ja so vieles wieder auf das ich

so gerne tief in mir verbergen möchte. Doch die Karten sind schön und haben eine tolle Wirkung auf mich.

So beruhigend, wie ein kleines Stückchen Heimat in 78 Karten.

Automatisch mische ich sie und lege sie aus und erzähle ihr, was im Laufe des nächsten halben Jahre auf sie

zukommt. Sie sperrte nur noch den Mund auf.

Dann schlägt sie vor, wir sollten doch mal Gläser rücken.

Ich willige ein weil mich die Karten so wundervoll wieder ins Paradies zurüch brachten. Ich überlegte

nicht sondern glaubte, dass das Gläserrücken vielleicht die gleiche Wirkung haben könnte und

wir bastelten ganz konzentriert an den Buchstaben und Zahlen.

Dann legten wir sie im Kreis aus und sie stellt ein Glas umgekehrt in die Mitte. In dem Moment, als ich meinen

Finger drauflegen will, platzt das Glas und hinter ihr im Regal noch zwei.  Die Glühbirne in der Stube

geht mit einem Knall (zerspringt aber nicht) aus und auch eine im Flur. DAS wars für mich!

Ich hab das sofort abgebrochen und bin nach hause. Aber... Die Karten hatten etwas in mir geweckt.

Das wollte ich wiederhaben. Also kaufte ich mir erst ein Deck das dem meiner Granni ähnlich sah.

Es war das Zigeunertarot. Und sehr bald hatte ich auch wieder Runen. (Inzwischen bestimmt das 10te

Futhark)

 

21.5. 14

Ich ziehe heute eine Rune und was soll ich sagen, es ist die Othala- wie passend.

In den letzte 2 Jahren hatte ich mich hier in unserem Mietshaus sehr zurück gezogen. Ein lächerlicher Grund sorgte dafür,

dass man mich schriftlich heftig anging. Mit einer bestimmten Sorte Mensch KANN man nicht vernünftig diskutieren. Dafür

ist deren Hirn nicht ausgelegt.

Seit einer Woche sind sie nun ausgezogen und ich habe heute und gestern das erste Mal wieder Wäsche draußen

aufgehängt. Welch ein Duft nach winddurchwehtem Stoff.

Was doch so ein nachbarschaftlicher Auszug in einem wachrufen kann. Ich fühle mich befreit, nicht mehr in meinem

Umfeld eingeschränkt.

Ich habe mir ruhige und nette neue Nachbarn gewünscht. Wie ich finde, ein legitimer Wunsch.wink

 

9.6.14

Kommunikation:

liegt es an mir oder wird es real immer schwieriger?

Ob jetzt bei FB oder per Telephon oder persönlich, ich hab damit zu kämpfen dass die Schreibweise so viele Fehler aufweist dass man mehr raten muss als dass man wirklich lesen kann was das Gegenüber meint.

Am Telephon kommt das Gegenüber erst zu Pontius, dann zu Pilatus , dann zu allem was definitiv nicht wichtig ist und vielleicht schwingt auch ein wenig das Thema mit dass sie/er eigentlich besprechen will.

Ich gestehe! Ich habe einen recht kurzen Geduldsfaden. Im Gespräch entfleucht mir schon mal ein"komm zum Punkt".

Die Rechtschreibung: ich bin bestimmt kein Ausbund an überkorreckter Schreibweise aber ich gehe davon aus dass meine geschriebenen Worte jeder lesen und verstehen kann. Doch warum gelingt das so vielen aus den nach mir kommenden Generationen nicht mehr? Legastenie? So gehäuft? Na dann gute Nacht Deutschland.

In manchen Gesprächen fühle ich mich als gänge ich auf Eiern. Nur kein falsches Wort, nur kein Anecken, sich möglichst konform verhalten, das was ich meine, was ich eigentlich ausdrücken will möglichst so zu sagen (schreiben) dass es den Anderen in weichen Windeln wiegt.

Da ist das Teufelchen in mir voll dagegen. Entweder kann man verstehen was ich meine, indem man die Worte als das nimmt was sie sind, ganz rationell oder eben nicht. devil

Also ihr Lieben, grundsätzlich will ich nie jemanden verletzen aber wie ich schon sagte- kurzer Geduldsfaden, auf den Punkt kommen, wenigstens ansatzweise richtig schreiben und wir kommen gut miteinander aus.

 

10.6. Tolleranz- wie weit sollte sie gehen?

Ich bin Heidin, durch und durch.

Ich bin Hexe, durch und durch. Also bin ich eine Heidnische Hexe. wink Ich bin tollerant und kann eigentlich fast jeden tollerieren.

Ich mag nur keine Gewalt, keine dummschwätzerische Leute, keine Pädophilie, keine Tierquälerei und keine Rassisten. Und nun? Bin ich doch nicht tollerant? Ich denke schon denn ich kann anders denkende Menschen so leben lassen wie sie wollen, ich muss es ja nicht mitmachen.

Das Thema kommt mir heute so heftig ins Bewusstsein weil ich ernsthaft erschüttert bin von der Intolleranz in einer FB Gruppe. Thema sind die 18 Runen die mit v. List zusammen hängen und daher absolut verpönt sind. Doch was bitteschön, haben die Runen (ob nun die Alten 24 ger oder die 18 ner oder die 33 ziger, egal welche) mit unseren politischen Missetaten zutun? Glauben diese Leute allen Ernstes dass es zu Odins Zeiten wirklich viel anders zuging? Sind sie davon wirklich überzeugt, dass ausgerechnet das 18 Futhark so übel ist weil sie (angeblich) von einem der ersten Nazis er.- gefunden wurde? Was haben göttliche Zeichen mit unserer Politik zutun? NICHTS.

Ich weiß, ich schweife ab. Doch ich kann es kaum fassen wie borniert selbst einige Heiden sein können wenn es im !Ihre! ach so geheiligten Zeichen geht. Als ob sie durch diese 18 Runen misshandelt würden.

Was ist Tolleranz? Wenn ich zumindest akzeptieren kann dass es Menschen gibt die anders denken, die anders fühlen und dementsprechend anders Leben.

 

Was ist aus uns geworden?

Wo sind wir gelandet?
Wir haben uns in Gefangenschaft begeben, unsere Krallen schneiden und unsere Zähne rausreißen lassen. Ja, wahrhaft zahm und kuschelig sind wir, so einsam hinter den Gittern der Öffentlichkeit. Wir haben hart gekämpft und sind jeden Kompromiss eingegangen damit wir unsere silbernen Pentagramme öffentlich tragen dürfen und damit wir einen Platz an der runden Tafel der großen Religionen bekommen. Doch was hat uns all unser Bestreben am Ende gebracht? Wo und vor allem was sind wir am Ende des Tages? Verrückte, abergläubische Individuen, die ihre Kinder nur behalten dürfen, weil niemand an unser Handwerk glaubt.

Allzu zahm sind wir geworden. Hört ihr das? Medea und Circe rotieren endlos im Grab über die Schande, die wir über sie und unser gemeinsames Handwerk brachten.

Wo sind die wilden Weiber?

Wo die erigierten Penisse?

Wo die ekstatischen Feste mit den Göttern?

Besinnen wir uns auf unsere magischen Mütter und Väter. Wer von uns kennt den Geschmack vom Kykeon, wer kennt das wahre Bier? Wir haben Jahrtausende an Tradition verraten und verlassen um etwas zu werden, was wir nie hätten werden sollen. Wir waren nie dazu gedacht die Welt zu erobern, wir waren die stillen Herrscher im Hintergrund.

"Tue was du willst, aber schade niemandem". Viele Adjektive verdient dieses "Gesetz"; ehrenwert, unmöglich, aber vor allem heuchlerisch, denn damit schaden wir uns selbst am aller meisten.

Seit wann führt die Hexe keine Abtreibungen mehr durch? Seit wann kennen wir Ekel vor Blut, Sperma und Knochen?

Wann wurden die heiligsten Säfte und Kräuter eine Quelle der Scham, des Ekels und der Angst für uns?

Wir glauben blind, was uns erzählt wird und verbreiten es weiter, als wäre es eine Tatsache, als wäre es die Erkenntnis aus unserer Erfahrung. Wir alle "wissen", dass der Fliegenpilz - der schönste aller Pilzgeister - todgiftig ist. Ist er das?

Wer von euch weiß das aus Erfahrung? Das heilige Bilsenkraut steht heute auf der roten Liste in Deutschland; gejagt, fast ausgerottet, fast schon unbekannt, nur weil es tödlich ist. Wasser ist es auch. Zucker auch. Salz sowieso. Das Geheimnis, dass wir dem Bilsenkraut, der Alraune und dem Schlafmohn unsere Gesellschaft, unseren Fortschritt und Wissen verdanken, weiß keiner mehr.

Leider auch nicht die "Hexen".

Wir alle sind Tiger. In Gefangenschaft geboren und in Gefangenschaft sterben wir auch.

Es ist ein öffentlicher Zoo in den alle durch wissenschwangere Medien wie die Bild-Zeitung hineinglotzen. Medea und Circe wird langsam schwindelig vor lauter drehen, aber Gardner liegt beruhigt und selig.

Wir leben von Tag zu Tag und warten, dass uns jemand ein Stück halbverdorbenes Fleisch hinwirft, damit wir auch morgen noch die Clowns spielen können. Niemand wird uns freilassen.

Wir müssen ausbrechen, uns selbst auswildern und unseren alten Platz am Waldrand, in der Hecke wieder zurückerobern. Wir müssen unser Wild selbst reißen, nur so kriegen wir frisches Fleisch. Wir müssen uns wieder in die Mitte begeben, Segen wie auch Fluch verteilen - soll Justitia sich um die Gerechtigkeit kümmern!

Ich bin eine Hexe, denn ich kenne die Bienen, die kleinen Nieren des Stechapfels und die wunderschönen Augen der Tollkirsche. Ich bin eine Hexe, denn ich sitze nicht mehr in meinem Käfig und halte nicht in christlicher Manier meine andere Backe hin.  (Autor- Trismegiston)